Was über die Verhaftung der Tate-Brüder bekannt ist – und welche Rolle Donald Trump in der Causa spielt

Andrew (l.) und Tristan Tate Andrew (l.) und Tristan Tate

Andrew (l.) und Tristan Tate

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Vadim Ghirda / AP

Die Brüder Andrew und Tristan Tate sind bekannt dafür, Frauenfeindlichkeit zu propagieren und ihren Reichtum protzig zur Schau zu stellen. Am Samstag nahmen US-Beamte die umstrittenen Influencer in Miami am Rande einer Kampfsportveranstaltung fest. Der Grund: neue Ermittlungen der britischen Behörden. Den Männern werden unter anderem sexualisierte Gewalt, Menschenhandel und Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischem Material angelastet.

Die Festnahme ist das jüngste Kapitel einer internationalen Rechtscausa um die Tates, die sich von Rumänien über Großbritannien bis in die Vereinigten Staaten erstreckt. Trotz der Vorwürfe genießen die Brüder in der sogenannten »Manosphere«  und im rechten Lager der USA Unterstützung, auch wegen ihrer Nähe zu US-Präsident Donald Trump. Dennoch droht ihnen nun die Auslieferung nach Großbritannien.

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Was wird Andrew und Tristan Tate vorgeworfen?

US-Behörden nahmen die Brüder auf Antrag der britischen Strafverfolgungsbehörde, dem Crown Posecution Service (CPS), fest. Die Tates, die sowohl die britische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, befinden sich seitdem in Gewahrsam. Am Montag sollen sie vor einem US-Bundesgericht erscheinen, wie ihr Anwalt Joseph McBride auf X mitteilte .

Der CPS erklärte in einer Stellungnahme , er habe Anklage gegen die Brüder wegen zahlreicher mutmaßlicher Straftaten erhoben, die zwischen Juli 2010 und August 2017 begangen worden sein sollen. Vier weitere mutmaßliche Opfer seien betroffen.

Andrew Tate, 39, wird unter anderem der Vergewaltigung in sieben Fällen beschuldigt, in drei Fällen des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung, weiterhin der Körperverletzung in drei Fällen sowie 19 Straftaten im Zusammenhang mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern und »extremer Pornografie«. Sein Bruder Tristan, 38, sieht sich Vorwürfen wegen sexueller Nötigung, zweier Vergewaltigungen und dreier Fälle von Menschenhandel ausgesetzt.

In Großbritannien liegen bereits 21 frühere Anklagen gegen die Brüder vor. Mit den neuen Vorwürfen steigt die Gesamtzahl auf 59. »Diese Anklageentscheidungen erfolgten nach Erhalt weiterer Beweismittel von der Polizei von Bedfordshire und erhöhen die Gesamtzahl der mutmaßlichen Opfer in diesem Fall auf sieben«, erklärte Malcolm McHaffie, Leiter der Abteilung für Sonderkriminalität beim CPS. McHaffie sagte zudem, dass Großbritannien die Auslieferung der Tate-Brüder aus den USA beantragt habe.

Was sagen die Brüder und ihr Anwalt zu den Vorwürfen?

Andrew und Tristan Tate bestreiten die Anschuldigungen. Auch Joseph McBride, Rechtsanwalt der Tates, beteuerte die Unschuld der Brüder und bezeichnete die Anklagen als »politischen Anschlag eines sterbenden Imperiums«.

Joseph McBride, im dunklen Anzug, spricht mit Reportern vor dem Gericht in Miami

Joseph McBride, im dunklen Anzug, spricht mit Reportern vor dem Gericht in Miami

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Joe Raedle / Getty Images

McBride stellte die beiden als Opfer eines angeblichen politischen Komplotts dar. »Heute sind es Andrew und Tristan. Morgen wird es Trump sein«, mutmaßte er in seinem Beitrag auf X , den er mit einem KI-generierten Bild illustrierte, auf dem die Brüder in orangefarbener Häftlingskleidung im Gefängnis sitzen. An der Zellenwand prangt der Schriftzug »Political Prisoners«.

Welche Rolle spielt Trump im Fall der Tates?

Der Verweis von McBride auf Donald Trump ist kein Zufall. Die Brüder unterstützten den ehemaligen US-Präsidenten im Wahlkampf. Es wird spekuliert, ob Trump in den Fall eingreifen könnte.

Im Februar 2025 durften die Brüder Rumänien verlassen, obwohl ihnen dort ähnliche Vorwürfe gemacht wurden und eine Ausreisesperre bestand. Medien wie die »Financial Times« berichteten, dass das Weiße Haus unter Trump offenbar Druck auf Rumänien ausgeübt habe, um die Reisebeschränkungen aufzuheben. Rumäniens Außenminister bestätigte, dass ein Vertreter der Trump-Regierung Interesse am Fall der Brüder gezeigt habe. Trump selbst bestritt jedoch, von dem Fall zu wissen, und der rumänische Außenminister betonte, das Land sei nicht unter Druck gesetzt worden, die Reisebeschränkungen für die Brüder aufzuheben.

Die Tates sollen auch Kontakte zu anderen Mitgliedern der Trump-Familie pflegen. Donald Trump Jr. etwa bezeichnete die Inhaftierung der Brüder in Rumänien 2023 als »absoluten Wahnsinn«. Laut der »New York Times« pflegte Andrew Tate Beziehungen zu Trump Jr. und dessen Bruder Barron, was ein Anwalt der Tates jedoch als »Fake News« abtat.

Wie wahrscheinlich ist eine Auslieferung?

Ursprünglich beabsichtigten die britischen Behörden eine Auslieferung der Tate-Brüder, sobald das Gerichtsverfahren in Rumänien abgeschlossen sei. Mit der vorzeitigen Rückkehr der Brüder in die USA verstärkten die britischen Behörden ihre Bemühungen, dass die beiden in den USA in Gewahrsam genommen werden, und setzen nun auf ein US-amerikanisches Auslieferungsverfahren.

Denn: Zwischen den USA und Großbritannien besteht ein Auslieferungsabkommen, das seit 2007 in Kraft ist. Demnach entscheidet der US-Außenminister, ob die USA eine Person an ein ersuchendes Land ausliefern, nachdem ein US-Richter oder Bezirksrichter seinem Ministerium eine Auslieferungsbescheinigung übermittelt hat.

Die Entscheidung, ob die Tates an Großbritannien ausgeliefert werden, liegt letztlich bei US-Außenminister Marco Rubio. Im Vorfeld wird erwartet, dass ein US-Richter in den kommenden Wochen prüfen wird, ob die Tate-Brüder die Voraussetzungen für eine Auslieferung erfüllen.

Zwar hat das Abkommen bereits zu Auslieferungen geführt, doch es gibt Ausnahmen. 2020 lehnte die Trump-Regierung ein britisches Ersuchen ab, eine US-Amerikanerin auszuliefern, die in einen tödlichen Autounfall verwickelt war. Das Außenministerium berief sich damals auf diplomatische Immunität.

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Das Lager der Tates zeigt sich zuversichtlich, dass das Auslieferungsersuchen abgelehnt wird. »Andrew und Tristan Tate werden freikommen«, erklärte Anwalt McBride am Samstag. Ben Keith, ein auf Auslieferungsrecht spezialisierter Anwalt, erklärte gegenüber der britischen Zeitung »The Times« , die Brüder könnten das Verfahren vor US-Gerichten anfechten und so monatelang verzögern. Laut Keith sei das Verfahren »in den USA viel politischer als in Großbritannien«, weshalb die Nähe zwischen den Tate-Brüdern und Trumps Umfeld nicht zu unterschätzen sei.