Heike Geisslers «Michaela Kohlhaas»: Wenn die Mechanik klappert

An Kleists Vorlage gescheitert: Im Roman «Michaela Kohlhaas» klappert die Mechanik

Überschreibungen von literarischen Klassikern sind im Trend. Doch Heike Geisslers Überschreibung von «Michael Kohlhaas» vermag nicht zu überzeugen.

18.07.2026, 05.30 Uhr

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Schon der Titel stösst uns mit der Nase darauf: Heike Geisslers Roman «Michaela Kohlhaas» ist eine Überschreibung von Kleists berühmter Novelle «Michael Kohlhaas», in der ein Pferdehändler für erlittenes Unrecht masslose Rache übt. Kleists 1810 erschienene Erzählung spielt im 16. Jahrhundert; Heike Geissler (* 1977) siedelt ihre Geschichte im Leipzig unserer Gegenwart an und legt sie einer Ich-Erzählerin in den Mund, die wie sie selbst Mutter von zwei Kindern ist. Michaela Kohlhaas ist eine alleinstehende Frau um die vierzig, die als stellvertretende Friedhofsverwalterin arbeitet. Sie begehrt nicht gegen ein einzelnes Unrecht auf, sondern gegen eine Vielzahl von Ärgernissen: gegen ihren Chef, der dauernd krank ist, gegen den Galeristen, der ihre Stammkneipe im Plattenbau gentrifiziert. Marktwirtschaft, Kapitalismus, Wettbewerb nerven sie zunehmend. Sie gibt Job und Wohnung auf und zieht fortan als Obdachlose herum. In dem Jahr, das ihr bis zu ihrem frühen Tod bleibt, verwahrlost sie zusehends. Während Kleists Protagonist in seinem Furor Städte in Brand setzt, richtet Michaela Kohlhaas ihre Aggression vor allem gegen sich selbst. Das könnte spannend sein. Aber Heike Geisslers Buch behauptet mehr, als es erzählt. Die Mechanik klappert. Witzig ist der Roman dort, wo er die zögerliche «Man müsste doch»-Haltung der Ich-Erzählerin mit der nervigen Renitenz ihrer Heldin kontrastiert. Trotzdem fehlt es dem Text an innerer Spannung und eigener Sprache. Virtuos und absehbar läuft er ins Leere.

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Heike Geissler: Michaela Kohlhaas. Suhrkamp, 256 S.