„Alte Mühle" für Hessischen Denkmalschutzpreis nominiert

Stand: 20.07.2026, 06:00 Uhr

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Architektin Kerstin Werner informiert Mitglieder der Jury über das Projekt.

Architektin Kerstin Werner (rechts) und Eschborns Erste Stadträtin Bärbel Grade (2. v. rechts) informierten die Mitglieder der Jury. © Torsten Weigelt

Die sanierte Alte Mühle in Eschborn steht auf der Kandidatenliste für den Hessischen Denkmalschutzpreis. Die Jury hat das Gebäude bereits besucht – nur neun von 19 Bewerbungen schafften es in die engere Auswahl.

Eschborn – Die Erste Stadträtin Bärbel Grade (Grüne) spricht von einem „wunderschönen Ort“, der Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, Alexander Schilling, von einem „Herzensprojekt“. Kein Zweifel: Im Eschborner Rathaus ist man stolz auf die Alten Mühle. Und das könnte sich sogar noch ein wenig steigern. Denn das aufwendig sanierte Gebäudeensemble steht auf der Kandidatenliste für den Hessischen Denkmalschutzpreis.

Die Alte Mühle ist zu einem echten Kleinod geworden.

Die Alte Mühle ist aufwendig saniert worden. © Torsten Weigelt

Die Entscheidung darüber trifft eine Jury unter dem Vorsitz von Dr. Markus Harzenetter, dem Präsidenten des Landesamts für Denkmalpflege. Um sich einen direkten Eindruck zu verschaffen, waren er und seine Mitjuroren jüngst per Bus zu Besuch nach Eschborn gekommen. Was schon einmal ein gutes Zeichen ist. Denn es bedeutet, dass die Alte Mühle es in die engere Auswahl geschafft hat. Insgesamt 19 Bewerbungen sind in diesem Jahr für den Hessischen Denkmalschutzpreis eingegangen; neun Objekte hat die Jury sich vor Ort angesehen. Ob die Alte Mühle zu den Ausgezeichneten gehört, wird sich allerdings erst im September zeigen, wenn die Preise in Marburg verliehen werden.

Hessischer Denkmalschutzpreis

Der Hessische Denkmalschutzpreis wird jährlich durch das Land Hessen vergeben und ist mit insgesamt 32.500 Euro dotiert. Die Preisträger erhalten eine Urkunde. Geldpreise werden in der Regel nur an private Eigentümer und bürgerschaftliche Initiativen vergeben.

Ins Leben gerufen worden wurde der Preis vor 40 Jahren vom Landesamt für Denkmalpflege und der Lotto Hessen GmbH. Seitdem wurden rund 280 Objekte ausgezeichnet. Außerdem sind aus dem Verkauf von Rubellosen 117 Millionen Euro in den Denkmalschutz geflossen.

Bei dem Besuch der Jury rührten die Verantwortlichen der Stadt jedenfalls ordentlich die Werbetrommel. Die Alte Mühle sei nicht bloß „ein Denkmal zum Angucken“, betonte Bärbel Grade. Es sei gelungen, das lange leer stehende und brachliegende Ensemble aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken und es mitten im Stadtgeschehen zu verankern. „Hier wird gelebt, gefeiert und geheiratet“, so Grade. Und auch für Kunstfreunde ist sie derzeit ein lohnendes Ziel. An der Alten Mühle präsentiert die Stadt ihre Sommerausstellung mit Kunstwerken von Joscha Bender.

„Wir wollten etwas schaffen, das erlebbar ist“, ergänzte Alexander Schilling. Dabei erinnerte er auch an die lange Vorgeschichte der Sanierung. Schließlich hatte die Stadt die Alte Mühle bereits 2007 gekauft. Schon damals habe es die Idee gegeben, in dem Gebäudekomplex eine Gastronomie einzurichten. Doch die Pläne gerieten ins Stocken und wurden mehrfach geändert.

Im Oktober 2022 konnte es dann endlich losgehen mit den Arbeiten auf dem historischen Anwesen, dessen älteste Gebäudeteile aus dem späten 17. Jahrhundert stammen. Auch die Sanierung habe letztlich etwas länger gedauert und ein bisschen mehr gekostet als veranschlagt, räumte Schilling ein. Mehr als sechs Millionen Euro hat die Stadt in die Alte Mühle investiert. Aber es hat sich gelohnt. Da sind sich die Verantwortlichen einig.

Historisches Gemäuer, moderne Technik

Die größte Herausforderung sei die Verbindung von Alt und Neu gewesen, erklärte Architektin Kerstin Werner, vom Büro S+P aus Bad Soden, das auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisiert ist. Schließlich ging es bei der Alten Mühle nicht nur um die Sanierung des Vorhandenen. Aufgabe war auch das möglichst nahtlose Einfügen von neu errichteten Baukörpern mit dem Ziel, den einstigen Charakter eines geschlossenen Vier-Seiten-Hofs wiederherzustellen. Dabei habe der Denkmalschutz viel Wert darauf gelegt, dass die Neubauten nicht dominant wirken, berichtet Werner. So ist die Traufhöhe des modernen Eckhauses niedriger als die Dachrinne des historischen Mühlengebäudes.

Hinzu kam der Einbau moderner Technik. „Der Bestand ist zwar alt“, sagt der städtische Projektleiter Sascha Georg. „Aber wir mussten alles unterbringen, was heute nötig ist.“ Das reichte von Brandmeldeanlagen über einen behindertengerechten Zugang zur Gaststube bis hin zur Wärmepumpe. Und natürlich eine gut ausgestattete Küche für das Restaurant. Dafür die passenden Fachingenieure zu finden, sei nicht leicht gewesen, berichtet Architektin Werner. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde hingegen sei „sehr geschmeidig“ verlaufen.

Fachbereichsleiter Alexander Schilling (rechts) präsentiert das Trauzimmer.

Fachbereichsleiter Alexander Schilling (rechts) präsentiert das Trauzimmer. © Torsten Weigelt

Wobei viele kleine Details zu klären waren. Die Alte Mühle sei ihr bislang komplexestes Projekt gewesen, sagt Kerstin Werner, deren Büro sich unter anderem auch um die Sanierung des Königsflügels im Bad Homburger Schloss gekümmert hat. Doch letztlich habe man vieles einvernehmlich lösen können. So wurden etwa die historischen Fenster aufgearbeitet und als Kastenfenster erhalten, jüngere Fenster durch Holzfenster ersetzt. Für das Mühlengebäude und das Torhaus wurden die Dachziegel aus den 1960er Jahren wiederverwendet.

Besonders erfreulich aber sei, dass die Alte Mühle von der Bevölkerung angenommen wird. „Das Ding brummt“, fasst Kerstin Werner zusammen. Im neu eingerichteten Trauzimmer sind inzwischen die ersten Ehen geschlossen worden. Und der Pächter des Gastronmie, Robert Walch, habe sich als echter Glücksfall erwiesen, lobt Werner. Denn er nutzt nicht nur fast alle Räume des Gebäudeensembles für sein Angebot, sondern ist auch in die Wohnung im alten Mühlengebäude eingezogen.