Akkuzüge und Biosprit statt Diesel: So will die Deutsche Bahn bis 2040 klimaneutral fahren

Stand: 23.07.2026, 18:39 Uhr

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Die Bahn setzt auf alternative Antriebe, um den Schienenverkehr klimafreundlicher zu machen: Akkuzüge, Wasserstoff und Biosprit sollen Diesel ersetzen.

München – Auf vielen Regionalstrecken reicht künftig ein kurzer Abschnitt Oberleitung, damit Dieselzüge verschwinden können. Damit die Deutsche Bahn (DB) ihr Ziel erreichen kann, bis 2040 klimaneutral zu fahren, setzt sie auf alternative Antriebe. Diese reichen vom Akkuzug über Wasserstoff bis zum Biosprit HVO 100.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS

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Besonders praktisch für die Umsetzung dieser Klimaziele ist das Prinzip der sogenannten Oberleitungsinsel. Akkuzüge laden an ausgewählten Bahnhöfen oder kurzen elektrifizierten Abschnitten. Danach fahren sie auf Strecken ohne Fahrdraht aus der Batterie weiter. Eine komplette Elektrifizierung der Strecken ist dadurch nicht nötig.

Ich tanke Biokraftstoff-Aufdruck auf einer Lok

Noch fahren viele Lokomotiven mit Verbrennungsmotor – mit HVO 100 setzt die Bahn deshalb auf Biokraftstoff als Übergangslösung und als Brücke zu Wasserstoff und Ökostrom. © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Wie weit das Akku-Modell die Bahn bereits trägt, zeigt ein Beispiel aus Schleswig-Holstein. In einem Fachbeitrag in der Zeitschrift „Elektrische Bahnen“ erläutert die DB Energie drei Oberleitungsinselanlagen in Heide, Husum und Tönning. Zusammen mit weiteren Ausbauten ermöglichen sie mit 55 Akku-Zügen den rein elektrischen Betrieb auf rund 480 Kilometern Streckennetz, ohne dafür komplette Abschnitte mit Oberleitungen versehen zu müssen.

Regionalverkehr der Zukunft: Der „Akkuzug Pfalznetz“

Die Deutsche Bahn setzt diese Technik inzwischen auch andernorts ein. „Der aktuelle Trend in Deutschland geht zunehmend zu Akku-Zügen“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn gegenüber Smart Up News. „Diese setzen sich neben vollelektrischen Triebzügen als Standardlösung für die Ablösung von Dieseltriebwagen auf nicht elektrifizierten Strecken zunehmend durch. Viele Bundesländer haben inzwischen konkrete Umstellungsprogramme beschlossen.“

Das nächste große Vorhaben für akkubetriebene Züge läuft in Rheinland-Pfalz. Im Pfalznetz werden ab Mitte 2026 zunächst 44 neue Akkuzüge mit dem vielversprechenden Namen „FLIRT“ nach und nach Dieseltriebwagen ersetzen. Die Betreiber können vorhandene Oberleitungen mit neuen Ladepunkten kombinieren. Das Netz umfasst dort rund 240 Kilometer. Die vollständige Umstellung ist bis 2029 geplant.

Im Pfalznetz soll der Umstieg auf batterieelektrische Züge besonders viel bewirken. Nach Angaben der Bahn lassen sich mit Akkuzügen und Ökostrom in der West- und Südpfalz jährlich bis zu fünf Millionen Liter Diesel einsparen. Die CO₂-Emissionen im Zugbetrieb würden damit auf nahezu null fallen. Für Fahrgäste bedeutet das alles weniger Lärm, weniger Abgase und modernere, komfortablere Züge.

Dafür wird die Ladeinfrastruktur in Rheinland-Pfalz ausgebaut. In Winden, Landau, Pirmasens Nord, Kusel und Lauterecken-Grumbach entstehen neue Oberleitungsinselanlagen, an denen die Akkuzüge Strom aufnehmen können. Im Hauptbahnhof in Kaiserslautern verlängert die Bahn außerdem die bestehende Oberleitung an einem Gleis um 80 Meter.

Lediglich an der Biebermühlbahn zwischen Pirmasens Nord und Pirmasens reicht punktuelles Laden allein nicht aus. Dafür wird ein Abschnitt bis zum Neuen Fehrbacher Tunnel mit einer neuen Oberleitung ausgestattet. Technisch anspruchsvoll ist dort vor allem die Führung der Strecke über zwei Viadukte.

Die technische Umstellung auf die Oberleitungsinselanlagen, von der Bahn „OLIA“ getauft, verlangt viel Planung. Ladeunterwerke brauchen leistungsfähige Anschlüsse an die regionalen Stromnetze. In Schleswig-Holstein mussten beispielsweise Infrastruktur und Fahrzeuge gemeinsam getestet werden.

Der Fachbeitrag in „Elektrische Bahnen“ nennt einen überraschend banalen Risikofaktor im Betriebsablauf der Akkuzüge. Lokführer könnten beim Verlassen einer Ladeinsel vergessen, den Stromabnehmer zu senken. Mehrfach entstanden dadurch bereits Schäden an Fahrzeugen oder Infrastruktur. Künftige technische Lösungen sollen solche Bedienfehler verhindern.

Wasserstoff fährt weit, verlangt aber eigene Infrastruktur

Für längere Strecken ohne Oberleitung ist Wasserstoff eine Antriebsoption für die Bahn. Seit Ende 2024 betreibt DB Energie in Augsburg eine mobile Wasserstofftankstelle für einen Testzug in Bayern.

„In Mühldorf am Inn entsteht derzeit die erste stationäre Wasserstoffschienentankstelle der DB Energie; sie soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 in Betrieb gehen“, erläutert eine Sprecherin der DB auf Anfrage von Smart Up News. Von dort aus sollen künftig drei Wasserstoffzüge zwischen Mühldorf und Burghausen pendeln.

Die Anlage soll Wasserstoff direkt vor Ort per Elektrolyse aus Ökostrom erzeugen. Geplant sind rund 330 Kilogramm Wasserstoff pro Tag. Ein leerer Zugtank soll sich in weniger als einer halben Stunde füllen lassen. In Tübingen erprobte die DB Energie im Rahmen des Projekts „H2goesRail“ bereits seit 2024 eine mobile Schnellbetankungsanlage mit Elektrolyseur, Batteriespeicher und Anschluss ans Bahnstromnetz.

Wasserstoffzüge fahren oder testen inzwischen mehrere Bahnbetreiber in Deutschland. Dazu gehören die Bayerische Regiobahn, die Niederbarnimer Eisenbahn und die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser. Auch die DB-Tochter Regionalverkehre Start Deutschland setzt im hessischen Taunus Wasserstoffzüge ein.

Biosprit überbrückt die Lücke zu Akkuzug und Wasserstoff

So schön und effektiv die bereits umgesetzten Akku- und Wasserstoff-Projekte klingen, nicht jeder Dieselzug der Bahn lässt sich kurzfristig ersetzen. Für bestehende Fahrzeuge nutzt die Bahn deshalb den Biosprit HVO 100. Der Biokraftstoff entsteht aus biologischen Rest- und Abfallstoffen wie Altspeiseölen.

Laut DB kann er die bilanziellen CO₂-Äquivalente gegenüber herkömmlichem Diesel je nach Rohstoffmix um rund 90 Prozent senken. Eine technische Hürde gibt es aber: Die Motoren müssen den Kraftstoff vertragen.

Der Vorteil von Biosprit liegt in der vergleichsweise schnellen Umstellungsmöglichkeit vorhandener Flotten. Tanks, Logistik und Fahrzeuge benötigen laut DB in vielen Fällen keine grundlegenden Umbauten. HVO bleibt dennoch nur eine Übergangslösung, denn Herstellung und Transport verursachen natürlich weiterhin Emissionen.

„Die Zahl der Biosprit-Schienentankstellen hat sich in den letzten fünf Jahren auf insgesamt 24 erhöht“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Seit 2022 fahren etwa der DB Sylt Shuttle und das Sylt Shuttle Plus mit HVO 100.

Bahnstrom wird zunehmend grüner

Auch die Herkunft des Stroms verändert sich. „Aktuell bezieht die Deutsche Bahn nach vorläufigen Zahlen für 2025 bereits 71,5 Prozent ihres Bahnstroms aus erneuerbaren Quellen“, so die Sprecherin der Deutschen Bahn. Bis 2030 soll der Anteil auf 80 Prozent steigen, bis 2038 auf 100 Prozent. Davon profitieren vor allem elektrische und batterieelektrische Züge.

Auch bei Wasserstoffprojekten kann der Bahnstrom zum Einsatz kommen: Am Innovations-Hub in Tübingen nutzte DB Energie Ökostrom aus dem Bahnstromnetz, um per Elektrolyse grünen Wasserstoff herzustellen. Ein sogenannter Sektorenkoppler wandelte dafür den Strom aus der Oberleitung in die benötigte Spannung um. So lassen sich Bahnstrom, Batteriespeicher und Wasserstofferzeugung miteinander verbinden.

Kurz zusammengefasst: