704 Millionen Euro Abschreibung: Mercedes gesteht China-Desaster ein
Stand: 28.07.2026, 13:44 Uhr
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Mercedes senkt die Jahresprognose und schreibt 704 Millionen Euro in China ab. Der Absatz bricht um 30 Prozent ein, während E-Autos in Europa boomen. Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise.
Stuttgart – Der Stuttgarter Konzern liefert im zweiten Quartal nur noch 417.865 Fahrzeuge aus – ein Minus von sieben Prozent. Der operative Gewinn in der Autosparte sackt um 26 Prozent auf 909 Millionen Euro ab.
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Die Ursache liegt in Fernost: China, einst Wachstumsmotor der Premiummarke, entwickelt sich zum Albtraum. Der Absatz kollabiert um 30 Prozent, während Europa und die USA mit Plus vier und zehn Prozent die Verluste nicht annähernd kompensieren können.

Mercedes reagiert mit einer Sonderabschreibung von 704 Millionen Euro auf die Gemeinschaftsunternehmen in der Volksrepublik – ein Eingeständnis, dass die Luxusstrategie im Reich der Mitte gescheitert ist.
China-Desaster zwingt zum Umdenken
Die Immobilienkrise in China lähmt die Kauflaune der Oberschicht. Luxuslimousinen verkaufen sich nicht mehr wie früher, lokale Hersteller wie BYD und NIO greifen mit günstigeren E-Modellen an. Mercedes betont zwar gebetsmühlenartig die „hohe strategische Bedeutung“ des chinesischen Markts, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache.
Der Konzern kappt die Jahresprognose und rechnet nun mit einem Umsatz unter Vorjahresniveau – ein Minus zwischen zwei und 7,5 Prozent ist möglich. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz bereits um 4,1 Prozent auf 63,7 Milliarden Euro. Die operative Marge im Pkw-Geschäft fällt auf magere 4,0 Prozent.
E-Autos als Rettungsanker
Während China schwächelt, boomt das Elektrogeschäft in Europa. Mercedes verkauft im zweiten Quartal 52.852 E-Autos, ein Zuwachs von 51 Prozent. Besonders der europäische Markt zieht mit einem Plus von 87 Prozent an. Der Konzern hebt die E-Auto-Quote für das Gesamtjahr von 23 auf 25 Prozent an.
Auch die Transporter-Sparte läuft stabil: 94.000 Kleinlaster bringen fünf Prozent mehr Umsatz. Der Finanzbereich glänzt mit einem Gewinnsprung von 70 Prozent und stabilisiert das Konzernergebnis. Unterm Strich steigt der Quartalsgewinn um 13,5 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro – der erste Anstieg seit drei Jahren.
Sparkurs verschärft, Belegschaft rebelliert
Mercedes hat vor über einem Jahr ein Sparprogramm gestartet. Ende Juni verschärfte der Vorstand den Kurs: Eine tarifliche Sonderzahlung wird auf 2025 verschoben. Gleichzeitig fordert das Management, dass „für das gleiche Geld mehr gearbeitet“ werden soll.
Die Belegschaft reagiert mit Protesten. CEO Ola Källenius setzt auf neue Modelle in der zweiten Jahreshälfte und verspricht Verbesserungen bei Kostenposition und Produktivität. Doch die Branche steckt in der Krise: Volkswagen und Audi haben ihre Prognosen bereits gekappt, BMW warnte im Juni vor sinkenden Margen.
Branchenkrise trifft deutsche Hersteller
Mercedes reiht sich ein in die Warnserie der deutschen Autobauer. Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt rächt sich, während die Transformation zur E-Mobilität Milliarden verschlingt. Der Konzern erzielte im ersten Halbjahr nur 3,5 Milliarden Euro Ebit, 55 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2024.
Der Gewinn war bereits 2025 um fast die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen, nachdem er 2024 schon um 28,4 Prozent gefallen war. Die Trendwende lässt auf sich warten, während chinesische Wettbewerber mit aggressiven Preisen und schnellerer Innovation Marktanteile erobern.
Business Punk Check
Mercedes verkauft die China-Krise als temporäres Problem, doch die Wahrheit ist härter. Der Konzern hat den Wandel des chinesischen Markts verschlafen. Während lokale Hersteller mit Software-Integration, schnellen Updates und aggressiven Preisen punkten, klebt Mercedes an der alten Luxus-Formel.
Die 704 Millionen Euro Abschreibung sind kein Ausrutscher, sondern das Eingeständnis eines strategischen Versagens. Europa rettet mit E-Auto-Wachstum die Bilanz, doch die Margen sind mager.
Der Sparkurs trifft die Belegschaft, während das Management weiter von „strategischer Bedeutung“ Chinas fabuliert. Die unbequeme Wahrheit: Mercedes braucht eine komplette Neuausrichtung – weg vom reinen Premium-Anbieter hin zu einem Volumen-Player in der E-Mobilität.
Sonst fressen chinesische Hersteller nicht nur den Stern in Fernost auf, sondern bald auch in Europa. Wer jetzt noch auf die „Belebung in der zweiten Jahreshälfte“ setzt, ignoriert die Realität: Die deutsche Autoindustrie verliert gerade einen Handelskrieg, den sie nie als solchen erkannt hat.