500.000 russische Soldaten: Kiew warnt vor Putins neuem Plan
Stand: 20.07.2026, 12:47 Uhr
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Putin plant laut Kiew 500.000 neue Soldaten – doch in Russland wächst der Widerstand.
Moskau – Russland bereitet nach Angaben ukrainischer Behörden eine Mobilmachung von 500.000 Soldaten im Herbst vor. Der Staat könnte so zahlreiche Menschen zum Militär einziehen, ausbilden und an die Front schicken. Ein Teil der neuen Truppen könnte demnach binnen weniger Wochen in die Kampfzonen der Ukraine geschickt werden.
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Andere Rekruten sollen für einen möglichen neuen Angriffsabschnitt ausgebildet werden. Damit würde der russische Präsident Wladimir Putin sein Militär deutlich verstärken – allerdings erst nach den Wahlen im Herbst.

Der Plan solle zugleich akute Lücken in den russischen Einheiten schließen und Kräfte für eine weitere Offensive bereitstellen. Das erklärte Andrij Kowalenko, Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat, wie die ukrainische Zeitung Kyiv Post am Wochenende meldet.
„Russland bereitet für den Herbst die Mobilisierung von 500.000 Menschen vor“, schrieb Kowalenko auf Telegram. Ein Teil solle in den ersten beiden Wochen in die Kämpfe im Osten geschickt werden. Die übrigen Soldaten sollten mindestens einen Monat lang für die mögliche Eröffnung einer neuen Front ausgebildet werden.
Kiew erwartet schwere Infanteriekämpfe
Kowalenko rechnet im Herbst und Winter mit intensiven Kämpfen am Boden. Russische Regierungsvertreter hätten der Führung in Moskau zugesichert, dass die Mobilisierung einen militärischen Vorteil bringen werde. Er nannte den stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung, Sergej Kirijenko, und Generalstabschef Waleri Gerassimow.
Unabhängig überprüfen lassen sich die ukrainischen Angaben nicht. Russland hat eine neue Mobilmachung bislang nicht angekündigt. Nach Einschätzung des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR versucht der Kreml, öffentliche Debatten über das Thema vor den Wahlen zur Staatsduma im September zu vermeiden.
Mehrheit der Russen für Verhandlungen
Eine offizielle Bestätigung der Mobilmachung sei vor der Parlamentswahl im September 2026 kaum zu erwarten, schreibt die US-Denkfabrik Atlantic Council.
Eine neue Mobilisierung dürfte in Russland auf erheblichen Widerstand treffen. Schon die Teilmobilmachung im September 2022 habe eine breite Ablehnung ausgelöst, schreibt die Denkfabrik. Bis zu eine Million Männer im wehrfähigen Alter hätten damals das Land verlassen.
Zugleich nimmt die Kriegsmüdigkeit offenbar zu. Laut einer aktuellen Umfrage des unabhängigen russischen Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum sprechen sich 64 Prozent der Befragten für einen Übergang zu Friedensverhandlungen aus. Das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vormonat.
Für eine Fortsetzung der Kämpfe plädieren 29 Prozent. Eine neue Einberufungswelle würde deshalb fast sicher auf öffentliche Kritik und Widerstand stoßen, urteilt der Atlantic Council. Der Kreml müsste nicht nur den militärischen Bedarf decken, sondern auch die innenpolitischen Folgen begrenzen.
Russland verfehlt offenbar Rekrutierungsziel
Die Warnungen aus Kiew fallen mit Berichten über Probleme bei der Anwerbung von Vertragssoldaten zusammen. Nach Angaben des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes SZRU wurden bis Mitte 2026 in Russland rund 195.000 neue Militärverträge unterzeichnet. Das Ziel habe bei 204.500 gelegen.
Der Geheimdienst beziffert die russischen Personalverluste seit Jahresbeginn auf 196.700 Soldaten. Darunter seien rund 115.300 sogenannte „unwiederbringliche Verluste“ – also Tote – und etwa 80.400 Verwundete. Die Zahlen können nicht unabhängig bestätigt werden.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg. Quellen: Atlantic Council, Kyiv Post, Lewada-Zentrum, nif/red.